ANA THREAT: 40 JAHRE NO FUTURE, Nürnberg, K4 Zentralcafé

Punk, Repertoire und Retromanie
Ein Vortrag / eine Musik-Performance von Kristina Pia Hofer / Ana Threat
Zentralcafé, K4, Nürnberg  Mittwoch, 01.02.2017 – Einlass 19:30, Beginn 20:00
Eintritt: auf Spendenbasis

ANA THREAT: 40 JAHRE NO FUTURE Homepage Link

 

Obwohl über die tatsächliche Geburtsstunde des Genres durchaus Uneinigkeit herrscht, wird Punk heuer offiziell Vierzig. Begleitet wird die Einläutung des neuen, gesetzteren Lebensabschnitts der alten Rotznase von ihrer Musealisierung, Kanonisierung, und Vereinnahmung als Kunst- und Nationalgeschichte (aktuell zB als “Punk London” unter den Auspizien von Königin Elizabeth II und dem Heritage Lottery Fund). Die damals wie heute aktiv beteiligten Protagonist_innen scheinen es bereits sehr früh geahnt zu haben: Die Zukunft, die mit Punk zu machen ist/war, kann niemand ernsthaft wollen – zumindest, wenn die Sache in den Dienst teleologischer Fortschrittlichkeit steht.

Kristina Pia Hofer / Ana Threat geben in ihrem Beitrag Punk dennoch nicht verloren, und spüren einer anderen für das Genre wesentlichen Zeitlichkeit nach: seiner Ungleichzeitigkeit, Verspätung, Anachronie. Kristina Pia Hofer spricht über Punk als Limitierung, Reduktion und Wiederholung, während Ana Threat die im genreüblichen Repertoire schlummernden Potentialitäten – mit Karen Barad gesprochen, seine (open) futurities – an einschlägigen Musikmaschinen exploriert.

* Der Ventil Verlag lud im Jänner des Jahres unter diesem Titel zu Beiträgen für ein im Herbst erscheinendes enzyklopädisches Nachschlagwerk zum Thema.

(http://musikverein-concerts.de/events.php?id=388)

Hartgesotten hegemoniekritisch – Symposium zu Ehren von Gabriele Dietze und Dorothea Dornhoff

Symposium, 19 January 2017 , 13 :30
Feministinnen in Ost und West haben im Kontext marxistischer Diskurse schon früh darauf hingewiesen, dass Geschlecht keineswegs einen untergeordneten ‘Nebenwiderspruch‘ zum vermeintlichen Hauptwiderspruch des Klassengegensatzes darstellt. Vielmehr seien soziale Ungleichheitsachsen miteinander verwoben. Zuvor hatten PoC-Feministinnen auf den Zusammenhang von Sexismus und Rassismus aufmerksam gemacht. Im Zuge der ersten und zweiten ‘Welle‘ des Feminismus begannen feministische Künstler_innen und Aktivist_innen, transgressive Weiblichkeitsbilder auf der Folie binärer Geschlechterbilderzu entwerfen: Figuren wie die hartgesottene Detektivin, ermächtigende Monster oder kaltblütige Mörderinnen wurden zu notwendigen Gegenstrategien von Dämonisierung, Pathologisierung, Abwertung und Ausblendung des Weiblichen. Die Gender Studies haben Geschlecht als eine „wissensgenerierende und (wissens-)kritische Kategorie“ (Dietze/Hark 2006) in Bewegung definiert. Interventionen von Feministinnen of Color, postkolo- niale Perspektiven und queere Kritiken wiederum haben die Einheitlichkeit der Kategorie Geschlecht fundamental verunsichert. Sie machen für die Gender Studies die Notwendigkeit deutlich, Allianzen mit weiteren macht- und herrschaftskritischen Erkenntnisperspektiven zu suchen, und fordern ein, die eigenen Ausschlüsse und Hegemonietendenzen zu reflektieren. In diesem Zusammenhang spielen künstlerische Praktiken, kulturelle Artefakte und Ästhetiken sowie Popkultur eine entscheidende Rolle für die Sichtbarmachung marginalisierter Positionen. Dies erfordert eine (Selbst-)Kritik „okzidentaler (sexueller) Exzeptionalismen“ (Dietze), die über Geschlechterverhältnisse funktionieren, um den eigenen Kontext als emanzipiert darzustellen. Ebenso wichtig ist eine kritische Reflexion der Kategorie Gender selbst und ihr intersektionales Weiterdenken. Für die Dezentrierung von Macht und Wissen, auch über den akademischen Elfenbeinturm hinaus, sind Kollaborationen und Solidaritäten, strategische Essentialismen, Allianzen und Dialoge mit aktivistischen Kontexten und anderen Diskursen und Öffentlichkeiten unerlässlich.

Donnerstag, 19.1.2017  – 16:30 Panel II: Pop/Kultur

Lisa Kuppler: Hard-Boiled Woman Revisited – Jessica Jones im Marvel Cinematic Universe
Julie Miess: All Tomorrow’s Monsters
Marietta Kesting: Goldene Zitronen – Race, Klasse und Gender in Beyonces „Lemonade“
Moderation: Eva Boesenberg

Ort:  Institute for Cultural Inquiry, Berlin, Christinenstr. 18/18, Haus 8

https://www.ici-berlin.org/events/hartgesotten-hegemoniekritisch/

Eine Veranstaltung des Zentrums für transdisziplinäre Geschlechterstudien (ZtG) der Humboldt-Universität zu Berlin in Kooperation mit dem ICI Berlin, unterstützt vom Zentrum Jüdische Studien

 

Poetiken des Materials – Podiumsdiskussion

12.01.2017 18:00

 Ort: Leopold Museum

18:00
Kuratorinnenführung zu „Poetiken des Materials“ mit Stephanie Damianitsch

Unter dem Schlagwort eines „Neuen Materialismus“ lassen sich in der zeitgenössischen Kunst Strategien beobachten, die dem Material sowie materiellen Phänomenen der Wirklichkeit einen hohen Stellenwert einräumen. Diese künstlerischen Bestrebungen verleihen der gegenseitigen Durchdringung von materiellen und immateriellen Aspekten der Wirklichkeit Ausdruck. Letztere zeigen sich etwa in der Bedeutung der Sprache oder der kulturellen Prägung von Wahrnehmung.

19:00
PODIUMSDISKUSSION: „MATERIAL ALS KULTURELLER BEDEUTUNGSTRÄGER?

Podiumsdiskussion mit Kristina Pia Hofer, Sonia Leimer, Christian Kosmas Mayer, Anne Schneider und Stephanie Damianitsch.

Kristina Pia Hofer, Mitarbeiterin am Forschungsprojekt „A Matter of Historicity“ an der Universität für angewandte Kunst, Wien, diskutiert mit Künstlerinnen und Künstlern der Ausstellung über den sogenannten „Neuen Materialismus“ in der Kunst und das Material als kulturellen Bedeutungsträger.

Besuch mit gültigem Museumsticket frei!

Aus Gründen der Geschichtlichkeit: Praktiken des Materiellen in audiovisueller Kunst

Die materielle Substanz audiovisueller Kunstwerke ist ein geeigneter Ausgangspunkt für eine Untersuchung der aktuell viel diskutierten sozialen und politischen Handlungsmacht von Kunst. In Kunsttheorie, Film- und Medienwissenschaften und in feministischen/queeren Theorien zeichnet sich ein ‚material turn‘ ab, welcher Materialität – die stoffliche Grundlage von Objekten – als in politischen und kulturellen Austauschprozessen bedeutungsstiftend und potentiell agentiell zu denken versucht. Doch trotz dieser Entwicklungen ist die gegenwärtige Auseinandersetzung gerade mit kritischer Kunst von strukturalistischen und inhaltsfokussierten Lesarten bestimmt, während deren formale, technologische, räumliche Dimensionen sowie haptische, sonische und affektive Aspekte häufig vernachlässigt werden.

Das Projekt verbindet medien- und technologiekritische Ansätze mit einer materiellen Kritik zeitgenössischer audiovisueller Kunst. Der Fokus liegt auf aktuellen Arbeiten, welche sich mit Fragen der Geschichtlichkeit, das heißt, mit Erzählungen und Repräsentationen von Geschichte und historischen Ereignissen, beschäftigen. Aufgrund ihrer kritischen Haltung gegenüber Geschichtsdarstellung evozieren solche Arbeiten bisher vor allem inhaltliche Auseinandersetzungen. Dieses Projekt fragt darüber hinaus auch nach dem kritischen Potential, das in materiellen Aspekten solcher Arbeiten zu verorten ist: zB in der Hervorhebung räumlicher Gegebenheiten, in den verschiedenen körperlichen Modi der Rezeption einzelner Filme und Videos, oder im der Einsatz ‘veralteter’ Stile, Formate und Technologien.

Das Projekt strebt eine Analyse der technologischen und materiellen Grundlagen der Produktion, Präsentation und Rezeption von audiovisuellen Kunstwerken an, die zu einer neuen, medienkritisch gedachten, kunst- und filmwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem ‚material turn’ führt: Inwieweit beeinflussen materielle und technologische Aspekte ästhetische Erfahrungen? Wie ist das Handlungspotential von Materialität konkret zu denken? Wir beschäftigen uns mit der komplexen Frage nach einer potentiellen Politik eines ebenso formalästhetisch wie technologisch gedachten materiellen Forschungsansatz im Zeitalter digitaler Produktion und Dissemination: Wie kann eine Hinwendung zur Materialität politische Perspektiven auf konkrete sozio-ökonomische Kontexte entwickeln? Die Theoretisierung von Materialität kann etwa die ‚Unebenheit‘ neuer, globaler, postmoderner Öffentlichkeiten sichtbar machen. Durch eine Analyse dieser Verschränkungen beleuchten wir Materialität als wesentlichen Bestandteil des kritischen Instrumentariums der Gegenwartskunst.