Sexualität und Widerstand

INTERNATIONALE FILMKULTUREN

Aylin Basaran, Julia B. Köhne, Klaudija Sabo, Christina
Wieder (Hg.)
ca. 300 Seiten
Euro 25,–
Englische Broschur Format 15 x 28 cm
Erscheint August 2018

 

Welche Formen von Sexualität und erotischer Sinnlichkeit, die entweder als widerständige Handlungsweisen oder als Teil von po- litischem Widerstand adressiert werden können, wurden in den vergangenen Jahrzehnten in internationalen Film- kulturen visualisiert und damit hervor- gehoben? Kann die Darstellung des se- xualisierten Körpers oder sexuellen Akts in bestimmten Kontexten zu einer po- litischen Waffe werden? Welchen Raum erhalten dabei divergierende sexuelle Orientierungen und Praktiken etwa im Verbund mit homosexuellem Begehren? Der Sammelband vereint eine Mischung aus interdisziplinären und künstlerischen Zugängen zum Thema Sexualität und Widerstand und spürt seinen (audio-) visuellen Vermittlungen aus lokaler und transnationaler Perspektive nach. Das breite Spektrum an Textgenres reicht von akademischen Reflexionen über Malerei bis hin zu Dichtkunst und Bildcollagen. Fragen der Film-, Medien-, Kultur- und Literaturwissenschaft sowie Geschlech- terforschung und Zeitgeschichte treffen in diesem Band auf sexualwissenschaftliche und medizinhistorische Ansätze.

Mit einem Beitrag von Marietta Kesting.

Moving Stills – Affective Archives

Kuratiert von Marietta Kesting

Mittwoch, 18. April 2018, 19:00

Über Chris Markers prominenten und vielgeliebten Foto-Film La Jetée (1962) hinaus gibt es eine Vielzahl von Filmemacher_innen und Künstler_innen, die mit diesem Format experimentieren und einen Film aus Standbildern zusammensetzen. Die analoge Fotografie – oder, von dieser abgeleitet, die Zeichnung – dient dabei als Grundbaustein der Filme und betont die Materialität der Einzelbilder. Diese Foto-Filme können gerade durch das Spiel zwischen Herstellung und Brechung der filmischen Bewegungsillusion zu affizierenden und eindrücklichen Artefakten werden. Sie erstellen imaginäre Archive, schreiben intime Geschichten und stoßen eine Reflexion über das Medium und die Entstehungsprozesse von Bildern selbst an. Formal und thematisch bewegen sich die Arbeiten damit nahe am Format des (Familien-)Fotoalbums – einem privilegierten und mit Gefühlen aufgeladenen Erinnerungsobjekt, das die eigenen Herkünfte mitkonstruiert.

Programm

Lebohang Kganye, Pied Piper, 2014, 3 min
Aykan Safoğlu, Off-White Tulips, 2013, 24 min
Anna Faroqui, Ein gewöhnliches Leben (A Common Life), 2006, 26 min
Hubert Fichte, Leonore Mau, Der Tag eines unständigen Hafenarbeiters, 1966, 16 min
Thenjiwe Niki Nkosi, The Beginning of Stories (Part I of many), 2017, 10 min

Vorgestellt von Marietta Kesting
€ 6,– / ermäßigt € 4,50
https://www.mumok.at/de/events/moving-stills-affective-archives

Bericht der: International Autumn School on the Materiality of Cultural Practices in Social Space

p*art*icipate – eJournal des Programmbereichs Contemporary Arts & Cultural Production Schwerpunkt Wissenschaft & Kunst, Universität Salzburg in Kooperation mit der Universität Mozarteum

#issue 08

http://www.p-art-icipate.net/cms/?p=5880&view-all=1

„Finally, an all-day workshop on Re-Mediating Cinematic Experience (organized by Kristina Pia Hofer, Eva Kernbauer and Marietta Kesting) took place on Friday within the research project A Matter of Historicity, focusing on the event character of cinema. Giuliana Bruno, Professor of Visual and Environmental Studies, Harvard University, gave a lecture on the often-neglected material dimension of cinema, its surfaces and screens of projection throughout history. Erica Balsom, Senior Lecturer in Film Studies and Liberal Arts, King’s College, London, discussed the implications of the “liveness” and irreproducibility of a cinematic event. Volker Pantenburg, Professor of Film Studies, Freie Universität Berlin, explored questions of analogue and digital film formats in museums and gallery spaces. The Autumn School closed with a performance by the Danish art collective Vinylterrorandhorror (Camilla Soerensen and Greta Christensen), playing, breaking and re-assembling bits and pieces of LP records – and thus allowing the audience to almost painfully experience the materiality of music and performance art.“

 

 

Krise als Form

springerin
Ausgabe 2/2017

Eine vielerorts erhobene Gegenwartsdiagnose lautet, dass sich unsere aktuelle Gesellschaftsform, aber auch kulturelle und künstlerische Formen in einem fortwährenden Zustand der Krise befinden. Basiert dieser Befund zum einen auf einer gewissen Objektivierung (in Bezug darauf, wie die Dinge sein sollten und nun einmal nicht sind), so wirken darin stets auch subjektive Momente mit (der Diagnose, Kritik und möglichen Verbesserung der krisenhaften Zustände). Die Art dieser Beziehung genauer herauszuarbeiten, war Thema eines Symposions, das Anfang 2017 an der Universität für angewandte Kunst Wien stattfand. Im Anschluss daran bereitet das Heft Krise als Form, in Kooperation mit der Abteilung Kunst- und Wissenstransfer und dem Institut für Kunsttheorie entstanden, Beiträge und Schwerpunkte dieser Debatte auf. Gefragt wird vor allem danach, welchen formalen Parametern die Rede von der allgegenwärtigen Krise unterliegt. Stehen dabei primär kulturelle und politische Formen, Formen von Subjektivität und Wertsetzung auf dem Spiel? Oder artikulieren sich im Diskurs der Krise auch Negativformen, noch Formloses, ja vielleicht auch „Anti-Form“?

Mit einem Beitrag von Eva Kernbauer: „Mit dem Rücken zur Zukunft. Über die richtige Richtung und linke Melancholie“, in: Springerin 2/2017, „Die Krise als Form“, S. 45-49.

ANA THREAT: 40 JAHRE NO FUTURE, Nürnberg, K4 Zentralcafé

Punk, Repertoire und Retromanie
Ein Vortrag / eine Musik-Performance von Kristina Pia Hofer / Ana Threat
Zentralcafé, K4, Nürnberg  Mittwoch, 01.02.2017 – Einlass 19:30, Beginn 20:00
Eintritt: auf Spendenbasis

ANA THREAT: 40 JAHRE NO FUTURE Homepage Link

 

Obwohl über die tatsächliche Geburtsstunde des Genres durchaus Uneinigkeit herrscht, wird Punk heuer offiziell Vierzig. Begleitet wird die Einläutung des neuen, gesetzteren Lebensabschnitts der alten Rotznase von ihrer Musealisierung, Kanonisierung, und Vereinnahmung als Kunst- und Nationalgeschichte (aktuell zB als “Punk London” unter den Auspizien von Königin Elizabeth II und dem Heritage Lottery Fund). Die damals wie heute aktiv beteiligten Protagonist_innen scheinen es bereits sehr früh geahnt zu haben: Die Zukunft, die mit Punk zu machen ist/war, kann niemand ernsthaft wollen – zumindest, wenn die Sache in den Dienst teleologischer Fortschrittlichkeit steht.

Kristina Pia Hofer / Ana Threat geben in ihrem Beitrag Punk dennoch nicht verloren, und spüren einer anderen für das Genre wesentlichen Zeitlichkeit nach: seiner Ungleichzeitigkeit, Verspätung, Anachronie. Kristina Pia Hofer spricht über Punk als Limitierung, Reduktion und Wiederholung, während Ana Threat die im genreüblichen Repertoire schlummernden Potentialitäten – mit Karen Barad gesprochen, seine (open) futurities – an einschlägigen Musikmaschinen exploriert.

* Der Ventil Verlag lud im Jänner des Jahres unter diesem Titel zu Beiträgen für ein im Herbst erscheinendes enzyklopädisches Nachschlagwerk zum Thema.

(http://musikverein-concerts.de/events.php?id=388)